Feind oder Freund?

von Nick Lüder und Angelique Schumacher aus der Klasse 9 der Heinrich-Heine-Schule Karlshagen und Ilse Behl

Nun trafen wir uns schon so oft. Wir kennen uns in und auswendig. Zusammen sind wir die besten Freunde, die es gibt. Jedoch sagte mein Vater zu mir, dass er mir gestern gefolgt sei. Heute abend hat er mich vor meinem besten Freund gewarnt. Er dachte, er entführt mich und frisst mich auf. Ich verstand nicht, was er damit meinte, denn wir kennen uns schon, seit ich ein kleines Lämmchen war. Unsere Eltern haben sich nie verstanden. Die vorherigen Generationen verfolgten uns immer, und wir rannten nur weg. Aber weil wir nah nebeneinander wohnen – nur durch einen Zaun getrennt – haben wir immer Zeit miteinander verbracht. Als mein Vater uns einmal überraschte verbot er mir den Kontakt. Jedoch redeten mein Freund, der Wolf, und ich das Schaf, am Abend noch miteinander. Wir planten, uns am nächsten Tag zu treffen.
Wir trafen uns an der Zaunecke. Meine Familie schlief noch und bemerkte nicht, wie ich davon schlich. Der Wolf sagte zu mir, ich solle über den Zaun klettern. Doch für ein Schaf ist das Klettern unmöglich. Er überlegte, und begann dann, auf der anderen Seite ein Loch zu graben. Nach einiger Zeit begriff  ich, warum er das tat. Als das Loch groß genug war, konnte ich mühelos hindurch kriechen. Das erste Mal standen wir uns richtig gegenüber. Ich hatte ein schlechtes Gefühl, ging jedoch mit ihm mit in den Wald.
Es war schattig, aber ich fühlte mich frei. Der Wolf sagteversprach mir, mich in ein Paradies zu bringen. Das machte mich neugierig und ich lief weiter mit ihm mit. Nach langer Zeit sah ich die Sonne am Ende des Waldes strahlen. Er meinte, wir seien gleich da. Ich freute mich und rannte so schnell wie noch nie. Jedoch stolperte ich fiel hin und blutete nun am Knie. Der Wolf bemerkte meine Wunde. Er schloss meine Verletzung mit Heilblättern und band sie mit Gräsern zu. Hinter dem Wald, sah ich eine wunderschöne grün sprießende Wiese. Ich humpelte dorthin und machte es mir gemütlich. Mein Freund setzte sich zu mir und entwarf  seinen Plan für den nächsten Tag. Er plante mit mir einen abenteuerlichen Ausflug.

In dem Moment, als ich da im Gras lagerte mit meinem Freund zur Seite, flackerte noch einmal meine Sorge auf: Konnte ich meinem Freund trauen? Wirklich und wahrhaftig? Wer wusste mehr von mir, mein Vater oder mein Freund, mit dem ich nun zum ersten Mal etwas unternehmen sollte, der nicht einmal gierig nach meinem Blut schien? Was hatte man sich in unserer Herde alles zugeflüstert? Warum gab es überhaupt diesen Zaun zwischen uns? „Ihr dummen Schafe,“ hatte der Schäfer einmal erzählt, „so lange es Wölfe gibt, sind diese Kreaturen schon auf Schafsblut aus gewesen. Deshalb haben sie über tausend Kilometer Wegstrecke hinter sich gebracht – von Sibirien bis nach Westeuropa -, weil es in ihrer Überlieferung die Geschichten gibt vom leckeren und vor allem gesunden Schaffleisch. Wenn nämlich ein Tier ihrer Sorte auch noch so satt gefressen ist von irgendeinem Zeug, das ist alles gar nichts gegen Schaffleisch. Am besten schmecken die Lämmer. Ist ein Wolf alt geworden, dann bekommt er genau wie Hunde oder Katzen oder sogar die Menschen Schmerzen in den Gelenken. Er kann nicht mehr jagen, er kann nicht mehr schlafen, er kann sich nur noch ins Gebüsch verkriechen, um zu sterben. Aber das Sterben durch den Knochenweichtod dauert ewig lange. Man kann als Wolf nur daliegen und heulen. Das könnte ja auch für Schafe gelten. Ich weiß es nicht so ganz genau. Weil ich dich so gut leiden mag und du immer so treu aussiehst mit deinen glänzenden Augen und warm eingepackt bist in dicke Wolle, möchte ich dir jetzt meinen Plan erläutern: Zuerst das Gerücht. Es gibt Märchen und Sagen vom Paradies. Ganz fromme Personen behaupten, das Paradies erlebt man erst, wenn man tot ist. Andere, wirklich weise Wissenschaftler unter uns, die sogar die Sprache der Menschen verstehen, haben von acht Weltwundern erzählt. In Wirklichkeit soll es auch ein neuntes Wunder geben, das Wunderkraut. Das können nur zwei wirklich gute Freunde finden oben in den Bergen. Mein Plan geht so: Am Klettern soll es nicht liegen. Wir sind beide gut darin, glaube ich. Wenn deine Wunde heil ist, lass uns losziehen, bis wir das Kraut gefunden haben. Dafür hast du bestimmt einen siebten Sinn, stimmt’s? Du reißt es dann ab und kaust es vor. Weil Wölfe nur in der größten Not Kräuter fressen -zum Beispiel bei Gewitter, muss ich mich bestimmt ein bisschen überwinden. Aber ich würde alles dafür tun, um im Alter fit zu bleiben!“
Ich rieb mir den Knöchel, das Blatt begann schon zu welken. „Ahnung von Kräutern scheint der Wolf zu haben, alles, was Recht ist“, dachte ich.

Da es schon begann schummrig zu werden, beschlossen wir, uns auf dieser Wiese einen Platz zu suchen, an dem wir gut schlafen könnten. Wir schliefen tief und fest.
In meinem Traum erschien mein Vater, der immer wiederholte: „Sei gewarnt, der Wolf ist böse und er will dich nur fressen“. Das machte mir am nächsten morgen Angst, doch ich beschloss auf mein Herz zu hören, also gingen wir weiter auf unser großes Abenteuer. Der Wolf hatte von seinem Großvater eine Karte geerbt, die uns zu dem Wunderkraut führen sollte. Wir liefen und liefen, machten Pause und liefen weiter. Der Wolf  hatte jedoch noch nichts gefressen seit wir unser Abenteuer gestartet hatten. Er fing an zu jammern, er habe so großen Hunger. Ich hörte seinen Magen knurren, mir fiel mein Traum wieder ein: „Sei gewarnt“ …!
Nichts ahnend lief ich ein Stück voraus, da ein Stückchen Gras, dort ein Happen Haferstroh, für mich war es wie ein Schlaraffenland. Doch plötzlich spürte ich heißen Atem hinter mir, Schniefen und Schnaufen. Ich drehte mich erschrocken um: ich erblickte meinen Freund, den Wolf. Er war nicht mehr zu erkennen, diese großen blutrünstigen Augen, die tropfenden Zähne. Die Angst wurde immer größer. Hatte Vater doch recht? Ich schrie den Wolf an: Bitte nicht Wolf, ich bin es doch, dein bester Freund. Bitte komm zur Besinnung. Der Wolf schüttelte sich,  und wurde wieder zu meinem besten Freund, es tat ihm Leid, aber sein Hunger war so groß.
Da hatte ich eine Idee: „Mein  großer pelziger Freund braucht Fleisch, also soll er welches bekommen“dachte ich. In unserem Stall, auf der Wiese und selbst beim Schäfer in der Wohnung waren immer etliche Mäuse. Mäuse bedeuteten Fleisch, also erzählte ich dem Wolf, dass wir auf Mäusejagd gehen wollten. Ich stampfte mit den Hufen vor einem Mauseloch auf. Sobald sie erschrocken rausliefen, konnte mein Freund sie schnappen und fressen. Wir hatten so viel Spaß dabei. Und das gute war, mein Freund war satt. So vollgefressen war er noch nie, meinte er. Das machen wir öfters.
Wir liefen weiter an dem Tag bis wir den Berg sehen konnten, auf dem das Wunderkraut wachsen soll. Das wird bestimmt ein schwieriger Aufstieg bis zum Gipfel, aber wir Freunde schaffen das.

Manchmal muss auch ein Schaf die Führung bei einer Wanderung übernehmen. Glücklicher Weise hatte ich niemals richtigen Hunger – im Unterschied zum Wolf. So ging es mir gut. Vor allem war ich stolz auf mich, dass ich auf die Idee mit den Mäusen gekommen war. Nun geschah aber etwas ganz Verrücktes. Während der Wolf hinter mir immer langsamer wurde, lief ich eifrig voran. Dieses Abenteuer gefiel mir immer besser, vor allem brauche in den Stock meines Hirten nicht zu fürchten. Außerdem: eigene Ideen machen doch den größten Spaß. Die Welt kommt einem farbiger vor. Man lernt viele neue Sachen kennen. Wieder einmal drehte ich mich nach dem Wolf um. Langsam bog er um die letzte Kurve auf einer ziemlich steilen Anhöhe. Jetzt blieb er stehen. Er reckte den Kopf, als wollte er etwas sagen, aber es kam nur ein klägliches Geheul aus seinem Maul. Das tat mir Leid. Aber dass er dort allmählich in sich zusammensinken musste so kurz vor dem Ziel, ging über meinen Verstand. Müde genug machte ich mich auf, um mich um ihn zu kümmern. Nur: Konnte die Sache mit dem Schwächeanfall auch eine Finte sein? Fragte ich mich.
Je näher ich kam, desto lauter wurde sein Wehklagen. Er sagte mir, er habe auf seine alten Tage solche Schmerzen; die Knochen täten so weh. Dass er es bis hier geschafft hätte, grenze an ein Wunder, sagte  er stöhnend.
Da fiel mir wieder das Wunderkraut ein, ein Heilmmittel gegen die ach so gemeine Knochenweiche. Ich machte einen Sprung, lief los, suchte hier, suchte dort, überall nichts zu finden. Vor lauter Erschöpfung sank ich auf den Boden und legte meinen Kopf nieder auf die steinige Erde. Ab und zu blinzelte ich ins Licht.
Auf einmal entdeckte ich es. Zwischen den vielen kleinen Steinen, sah ich das kleine Pflänzchen, es leuchtete in allen Farben, es konnte nur das Wunderkraut sein. Trotz meiner Müdigkeit sprang ich auf und rannte sofort dort hin. Ich biss es mit meinen kleinen Zähnchen vorsichtig über der Erde ab, um die Wurzeln nicht zu schädigen, es soll ja schließlich wieder wachsen.
Sofort rannte ich zum Wolf, der, vor Schmerzen heulend immer noch an der gleichen Stelle lag. Mit vollem Mund überbrachte ich ihm die gute Nachricht.  Er verstand kein einziges Wort. Doch als ich ihm zeigte, er solle sein Maul aufmachen, verstand er es. Ich drückte ihm das vorgekaute Wunderkraut in sein Maul und er schluckte es widerwillig hinunter.
Von Minute zu Minute ging es ihm besser. Die Schmerzen ließen zusehends nach. Ich war so erschöpft, dass ich auf der Stelle niederfiel und einschlief, ruhigen Gewissens: meinem Freund wird es ab jetzt wieder besser gehen.
Nach ein paar Stunden wachte ich auf. Mein Freund, der Wolf, lächelte mir entgegen. Wie hatte er gesagt: „Nur die besten Freunde können das Wunderkraut finden.“
Um eines machte ich mir noch Sorgen. Was würde meine Familie sagen, meine ganze Herde??? Der Wolf und ich machten uns langsam wieder auf den Heimweg. Langsam und ohne viel zu reden. Manchmal entschlüpfte mir ein „mäh“.
Als wir wieder zu dem Waldrand kamen, sahen wir unsere beiden Familien zusammen. Wir wunderten und fürchteten uns auch, aber wir beschlossen gemeinsam zu ihnen zu gehen. Sie waren erleichert, uns endlich zu finden, sie hatten uns gemeinsam gesucht. In der Zeit,  in der wir verschwunden waren, beschlossen die Familien sich zusammenzuschließen irgendwie.
Sie haben alle Vorurteile und Ängste beiseite geschoben, nur um uns zu finden. Sie haben sich kennen gelernt und sind jetzt gute Freunde. Wir unterhielten uns noch den ganzen Abend über unser Abenteuer.
Am nächsten Tag planten wir gemeinsam einen Ausflug auf den Berg der Kräuter.

Tanik – Flucht nach Deutschland – Kopie

von Svenja Förstel und Lilly Grewe aus der Klasse 6 der Heinrich-Heine-Schule Karlshagen und Ilse Behl

Ich wurde aus dem Schlaf gerissen. Meine Mutter zerrte mich aus dem Bett. In ihren Augen konnte ich kalte Angst erkennen. Sie zerrte mich, meinen Arm fest im Griff, nach draußen. Meine kleine Schwester Sevgi und mein großer Bruder Borak standen vor der Haustür. Erst jetzt sah ich, was passiert war. Das Haus an der Straßenecke brannte. Ich schaute zu meiner Mutter hin. Sie hatte Tränen in den Augen. Ich wusste auch warum. Letztes Jahr starb mein Vater in einem Krieg. Nun fing ich auch an zu weinen, doch lange konnten wir nicht trauern, denn plötzlich explodierte das brennende Haus. Eine riesige Druckwelle, die von der Explosion  ausgelöst worden war,  brachte uns zum Fallen. Wir fielen nach hinten und rollten seitwärts ein Stück die Straße entlang. Als die Druckwelle nachließ und wir aufstanden, befanden wir uns mit dem Rücken zu unserem Haus. Wir fielen auf die Knie und kauerten uns schützend, mit den Händen vor dem Gesicht, hin. Als die Druckwelle weiter nachließ, standen wir erschüttert auf: unser Haus war komplett zerstört. Unsere Mutter sprach leise zu uns: „Meine Kinder. Es ist wieder Krieg. Wir werden flüchten müssen. Stellt euch auf das Schlimmste ein. Die Gegner werden uns keine Gnade geben!“ Ich schaute zu ihr hoch und Tränen kullerten meine Wange herunter. „,Nein, nein, nein! Wieso, Wieso?“. Diese Fragen spukten uns allen in den Köpfen herum.
Unsere Mutter nahm uns bei den Händen und rannte mit uns aus dem Dorf, das gestern noch so friedlich dagelegen hatte. Nun war es belagert von islamischen Soldaten, die sich selbst „Islamischer Staat“ nennen. Allein schon der Gedanke daran, meine Heimat zu verlassen, umhüllte mein Herz mit Trauer. Wir rannten und rannten, bis wir in die Wüste kamen. Mutter,  Sevgi, Borak und ich waren schon total erschöpft. Zum Glück entdeckte unsere Mutter eine alte, verlassene Hütte. Müde und niedergeschlagen von der hektischen, angstvollen und panischen Flucht, gingen wir hinein und legten uns auf den kalten, grauen Boden. Sofort schliefen wir ein, nachdem unsere Mutter uns ein Gute-Nacht-Küsschen gegeben hatte. Wir konnten nur hoffen, dass der nächste Tag friedlicher und ruhiger starten würde.

Nachts auf dem kalten Boden war es nicht auszuhalten, obwohl unsere Mutter jedem von uns ein zusammengerolltes Kleidungsstück unter den Kopf geschoben und mit einer dünnen alten Matte zugedeckt hatte. Es lag ja allerlei Gerümpel herum in der Hütte. Gute Mutter – sie lehnte mit geschlossenen Augen zusammengesunken an der löchrigen Außenwand. Bestimmt hatte sie keinen Schlaf gefunden. Ich wagte nicht zu fragen, hockte mich aber neben sie und drückte mich vorsichtig an ihre Schulter. Sie hob ihren Arm, legte ihn um meinen Hals und flüsterte: „Tanik, mein Guter, mein Kind, wir müssen ab jetzt zusammenhalten wie noch nie. Steh bitte auf und lauf auf die Piste, schau nach, ob du jemanden siehst, wir müssen so schnell es geht ans Meer kommen. Am besten gemeinsam mit anderen. Da gibt es Schiffe, die nach Europa fahren. Gelobt sei Allah habe ich schon seit Tagen unser Geld unter dem Hemd versteckt. Essen und Trinken gibt es vielleicht dort zu kaufen. Wo das sein wird, weiß ich nicht zu sagen. Schau nicht zurück auf unser Dorf. Du wirst nur Trümmer sehen!“

Sie rückte sich zurecht, als wollte sie aufstehen. Ich half ihr hoch. Mama umarmte mich und seufzte schwer: „Geh, mein Kind, aber sei in einer halben Stunde zurück, zähle bei dir selbst, damit du die Zeit zu messen lernst. Ich wecke die anderen. Oh, die Sonne sticht schon!“ Ich lief den Weg, von dem wir abgebogen waren, hinauf bis zur Piste. Tatsächlich sah ich schwarz verhüllte Gestalten vom Dorf auf mich zukommen. Einige schleppten Sachen auf dem Rücken. Mein Güte ja. Jetzt konnte ich begreifen, dass Krieg herrschte. Während ich so stand, bemerkte ich mein eigenes Geschrei, das mir ohne mein Zutun aus dem Mund gefahren war:
„Mama, Mama, komm!“
Sie kam schon. Borak, und Sevgi, die Borak entschlossen an der Hand hinter sich her schleifte; alle
waren noch im Halbschlaf. Jetzt zu weinen und zu kreischen vor Kummer, das durfte  ich mir jetzt nicht erlauben. Vielleicht schafften wir den Weg ans Meer. Die dunkel gekleidete Gruppe mit hellen Tüchern um den Kopf – das waren die Demirels aus unserem Dorf und ein Unbekannter, der einen ziemlich langen Stock in der Hand trug, einen Hütestock wie ich erkannte.

Nach genauerem Hinsehen erkannte ich, dass es ein älterer Herr war, der sich mit Mühe und Not auf den Stock stützte. Ich drehte mich um und rief meiner Familie zu: „Alles in Ordnung! Kommt her, dahinten  ist das Meer und weit und breit keine Islamisten zu sehen. Nur ein alter Mann und die Demirels.“ „Die Demirels! Leron, Leron!“, rief Borak und rannte die Piste hinunter zu seinem Freund. Vor einem Jahr waren die Demirels aus unserem Dorf gezogen. Damals waren Borak und Leron die besten Freunde gewesen. Doch plötzlich sah ich, dass  Borak steif vor Leron stehen blieb  und ihm dann mit offenem Mund hinterher sah, weil er einfach stumm weiterging. Ich rannte zu ihm.
„Borak was ist denn los? Ist was passiert? Warum unterhaltet ihr euch nicht? Borak, Borak!“, ich packte ihn bei den Schultern und schüttelte ihn kräftig. „Tanik, er, er kann sich nicht mehr an uns erinnern! Er kann sich nicht mehr an mich erinnern!“ Ich ließ ihn los. Fassungslos sah ich ihn an. Dann rannte Borak wieder zu Mutter und Sevgi. Traurig sah ich den Demirels nach. Konnte es wirklich sein, dass sich Leron nicht mehr an uns erinnerte? Dann drehte auch ich mich um und lief zu meiner Familie zurück. Als ich vor Borak stand, sah ich anfänglich Tränen in seinen Augen. Der Verlust seines alten, besten Freundes schien ihm nahe zu gehen. Ich boxte ihn sanft auf die Schulter. „Hey keine Sorge. Ich, Tanik, dein kleiner Bruder, schwöre dir, immer für dich da zu sein. Und ich bin mir sicher, dass die anderen das auch tun werden“, sagte ich ihm und lächelte ihn an. Matt lächelte er zurück.

„Kommt Kinder! Wir müssen los, um das letzte Schiff nach Griechenland zu bekommen! Na kommt!“ Mutter nahm Sevgi an die Hand und zusammen gingen wir zum Hafen, wo das Boot Costira ankerte. Ich, Borak, Sevgi und Mutter stiegen zuerst ein. Der Kapitän bot uns einen Fünfsitzer an. Nach einer Viertelstunde sagte ein Lautsprecher zu uns und den Menschenmassen: „Liebe Flüchtlinge, hier spricht der Kapitän. Ich bitte Sie, sich zu setzen. Wir legen ab. In ca. fünf Stunden und 45 Minuten werden wir in Athen anlegen und dort einen Zwischen-Stopp haben, bevor wir nach Bari fahren. Von dort aus bringt Sie ein Zug nach Deutschland. Ich wünsche Ihnen eine Gute Reise. Die Betten sind ein Stockwerk über Ihnen. Falls Sie Müdigkeit verspüren, können Sie jederzeit hochgehen. Ihnen einen schönen Tag noch.“ Ich gähnte und zupfte Mutter am Ärmel. “Was ist denn, Tanik?“, fragte sie  „Ich bin müde, möchte zu Bett gehen.“ Mutter nickte und ich stieg die Treppen hinauf.

Alles schien nun gut zu sein. Wir waren anscheinend aus der Gefahrenzone heraus.: Syrien und Angst waren vorbei. Übermütig winkte ich dem Strand zu, der nun dunkel dalag. Hier in unserer Klimazone wird es abends im Handumdrehen dunkel. Auf diese Dunkelheit hofften wir. Eigentlich aber war alles nur Hoffnung. Ein Hirngespinst, an das die Menschen gern glauben. Ich konnte mehr wissen, als die anderen, selbst Borak als der älteste von uns, hatte es nie richtig ausgehalten beim Flüstern der alten Leute. Es waren sagenhafte Geschichten, die sie sich eher heimlich erzählten. Ja, das Mittelmeer. Schon zu Mohammeds Zeiten, Allah hab ihn selig, kamen nur die wenigsten Kaufleute unbeschadet davon. Man nannte diese Leute „Abenteurer“. Aber ich hatte mich öfter zu ihnen gesetzt bis sie mich verscheuchten: “Geh, Sohn“, meinten sie, du sollst dich nicht sorgen, sondern glauben an das Glück!“ Manchmal versteckte ich mich hinter einem Vorhang und lauschte. Ich weiß auch besser als Borak, dass man die Alten ehren soll. Er aber ist ein Hitzpaket. In meinem Hinterkopf arbeitete und bohrte damals eine ziemlich schlimme Angst. Wann würden wir diese Reise bezahlen müssen? Wirklich mit Geld bezahlen, das meine Mutter vielleicht gar nicht aufbringen konnte und bezahlen mit einer dieser schrecklichen Gefahren, vielleicht mit dem Kentern des Schiffes und anderen Schrecken. Noch hoffte ich. Wir richteten uns ein so gut es ging. Richtig hinlegen konnten wir uns nicht, das war klar. Sevgi lehnte an Mamas Knie am unteren Teil ihrer Unterlage. Eigentlich war es gut, dass wir eine Schwester hatten. Aber mit den Mädchen war es immer und ist es ganz anders, als mit Jungen. Sevgi bedeutet lieben. Sind die Frauen nur für sowas da, das zwischen Männern und Frauen den Unterschied macht?. Ich spürte eine Wärmewelle tief im Körper. Was man doch alles lernen und wissen musste! Aber das schlimmste: Warum nahm dieser Kapitän derartig viele Menschen mit, sodass man um die Sicherheit des eher kleinen Schiffes schon bei Windstille Sorge haben musste, dass es kentern könnte?
Jetzt rief jemand auf der Bugseite.“Sieh mal den Berg da drüben! Fahren wir falsch?“ Sofort bahnten sich viel zu viele Menschen den Weg durch die ruhenden Körper auf die andere Seite. Das Schiff begann zu schwanken. Einige Kinder schrien auf.
Nach etwa einer Stunde kam der Kapitän mit einer Geldtasche in der Hand, um den Fahrpreis zu kassieren. Was er verlangte, verstand ich nicht genau, aber unsere Mutter schüttelte traurig den Kopf.
„Wieviel kannst du zahlen? Hier gelten andere Preise als an Land!“
Sie nannte eine Summe. Da meinte er:
„Ich sehe hinter deinem schwarzen Tuch eine schöne Frau, für dich mache ich es billiger!“
Mir fuhr ein Schreck durch die Glieder, als ich bemerkte, dass meine Mutter ihr Kopftuch tiefer über die Augen zog. Trotzdem versuchte sie uns zuzulächeln. Borak schien zu schlafen. Oh, meinem ältesten Brüder war wohl alles egal? Sevgi lehnte müde an Mutters Knie. Der Kapitän sprach andere Leute an. Wir konnten uns beruhigen. Gerade wollte ich mich in eine Ecke quetschen, da fielen die ersten Schüsse. Ein Licht flammte auf. „Küstenwache“ las ich an der Bordwand. Wir waren doch eben erst losgefahren…

Die Küstenwache nahm uns mit. Zusammengequetscht saßen wir da, mit vielen anderen Menschen. Sie brachten uns in einen Hafen. „Hafen Athen“ stand auf einem großen Schild. Wir legten an. Ein Bus brachte uns in ein Lager. Ein Flüchtlingslager! Ein junger Mann führte uns durch etliche Zelte. Überall hockten Menschen. Der junge Mann zeigte uns ein Zelt und zwei Betten. Eins für  Sevgi  und Mutter und eins für Borak und mich. „Hier eure Betten. Morgen bringt ein Flugzeug euch nach Deutschland. Die Bundeskanzlerin hat beschlossen, überfüllten Lagern zu helfen. Ihr werdet dort gut untergebracht sein!“, sagte er auf Englisch. Unsere Mutter nickte. Wir hatten nichts verstanden. Aber ich fragte nicht weiter. Tatsächlich holte uns am nächsten Tag ein Flugzeug ab. Wir stiegen ein und ich fiel sofort in einen tiefen Schlaf. Erst die Ansage zur Landung in Berlin weckte mich. Ich hatte den ganzen Flug lang geschlafen. Zum Glück waren Flughafen und Bahnhof nicht weit von- einander entfernt. Wir gingen hin und erreichten gerade noch rechtzeitig unseren Zug. Die Fahrt dauerte nur eine Viertelstunde. Ich sah den Fernsehturm. Er war größer als in meinen Vorstellungen. Wir stiegen aus. Das Flüchtlingslager lag etwas am Ende von Berlin. Das Haus war groß und hellblau – ganz anders, als die Häuser in Syrien, die jetzt nur noch in Schutt und Asche lagen. Eine Dame führte uns, und noch ein paar andere Flüchtlinge, in das Haus. Sie zeigte jeder Familie ihre Zimmer. Unseres war eigentlich ganz groß. Es beinhaltete vier Betten. Für jeden von uns eines. Ich setzte mich auf meines. „Geht doch raus und lernt ein paar Leute kennen, aber ich lege mich eine Weile schlafen!“, sagte Mutter.  Borak und ich gingen, mit Sevgi an den Händen, hinaus. Ein kleiner Junge rannte auf uns zu. Wir waren erstaunt, als er auf Arabisch anfing, mit uns zu plaudern. Wir unterhielten uns prächtig. Ich spürte, dass sich daraus eine herrliche Freundschaft entwickeln würde. Der Wind strich durch mein Haar. Ich, Tanik, der sich auf unserer gemeinsamen Flucht, trotz der Nähe seiner Familie, allein gefühlt hatte, fühlte sich auf einmal frei! Syrien lag nun weit hinter uns und der Krieg auch. Ich spürte, dass ich hier glücklich werden würde…

Nur einen Monat später hatte meine Mutter unser Asylrecht beantragt und bekommen. Der kleine Junge, der sich als Mahad vorstellte, war unser bester Freund geworden. Ich ging inzwischen auch zur Schule. Sie war anstrengend, machte jedoch Spaß. Ich war einfach nur glücklich…

Meine letzte Klassenfahrt

von Lisa Kallfaß und Marie Heyden aus der Klasse 6 der Heinrich-Heine-Schule Karlshagen und Sylke Scheufler

Endlich ist es soweit. Ich, Laura, Spitzname Lauri, 16 Jahre alt, freue mich auf meine letzte Klassenfahrt.
Doch leider ist etwas Schlimmes passiert:  Unsere Klassenlehrerin, Frau Müller, hat sich bei einer Fahrradtour den Fuß gebrochen und kann so leider nicht mitkommen, also fährt unsere stellvertretende Klassenlehrerin, Frau Tischler, mit uns.
An sich gar nicht schlimm, nur hätten wir uns bei Frau Müller unsere  Zimmergenossen aussuchen können, aber jetzt sucht Frau Tischler unsere Zimmerpartner aus.
16:32 Uhr. Soweit, so gut, nun werden wir eingeteilt. „Zimmer eins: Laura, Kimi, Sofia, Lilly.“ Oh nein! Sofia ist das schlimmste Mädchen überhaupt, sie ist einfach so unfassbar zickig und auch noch in denselben Jungen verliebt, wie ich es bin.
Jetzt müssen wir in unsere Zimmer gehen, unsere Sachen abstellen und versuchen, uns zu einigen, wer oben und wer unten schläft.
„Also, ich weiß ja nicht, wie es euch geht, Mädels, aber da ist ja wohl klar, dass ich oben schlafe“, sagte Sofia.
Kimi, Lilly und ich schauten uns im selben Moment an und ich denke, wir dachten alle dasselbe: Sofia muss hier raus.
Also gingen wir zu Frau Tischler und beschwerten uns über Sofia, aber was sie darauf antwortete, war einfach nur unfassbar.

„Ihr seid fast erwachsene junge Damen, also benehmt euch auch so und nicht wie kleine Mädchen im Kindergarten. Es wird Zeit, dass ihr lernt, Probleme allein zu lösen. Sagt Sofia ruhig und sachlich, was euch an ihr stört und versucht, miteinander auszukommen.“ Genau das waren ihre Worte.

Zur Lagebesprechung zogen wir uns in den Speiseraum der Jugendherberge zurück. „Also, ich weiß ja nicht, wie es euch geht, Mädels“, Lilly ahmte die Stimme von Sofia nach, „aber das bedeutet ja wohl Krieg!“

„Genau. Zickenkrieg!“ Mit grimmiger Miene verschränkte Kimi die Arme.

„Drei gegen eine!“, stimmte ich zu. Das fehlte noch, dass Sofia uns die Klassenfahrt vermasselte.

Kimi hatte gleich eine Idee. „Ohne ihren Schminkkoffer ist Sofizicke aufgeschmissen. Wir versenken den irgendwo im Wasser. Oder wir beschmieren ihre Klamotten mit Lippenstift, Nagellack und Wimperntusche. Dann hat sie nichts anzuziehen und muss nach Hause fahren.“

Bei der Vorstellung musste ich grinsen. „Die würde bestimmt heulen wie eine Sirene. Aber Frau Tischler wüsste sofort, wer das war. Was haltet ihr davon: Wir schmuggeln eine Schachtel Zigaretten in ihre Tasche und geben Frau Tischler einen Tipp. Natürlich anonym. Wer Zigaretten dabei hat, wird von seinen Eltern abgeholt. Darüber sind wir belehrt worden.“

„Cool. Aber wo kriegen wir Zigaretten her?“ Kimi riss die Augen auf. „Hast du etwa …?“

„Pst, nicht so laut!“, ermahnte ich sie. „Natürlich nicht, ich bin doch nicht blöd. Wir bitten Kevin, dass er uns die besorgt. Der ist siebzehn und sieht aus wie achtzehn. Außerdem kann er Sofia auch nicht leiden.“

Während Kimi begeistert nickte, betrachtete Lilly nachdenklich das breite Fenster für die Essenausgabe und sagte: „Nicht übel, aber mir ist noch was anderes eingefallen. Sofia ist doch allergisch gegen Haselnüsse. Sie hat deswegen extra ein Glas mit Schokoaufstrich ohne Nüsse mit. Wie wär’s, wenn wir statt der Schokocreme Nutella ins Glas füllen?“

„Lilly, bist du dir sicher? Was ist, wenn es lebensbedrohlich für sie sein kann?“
„ Ach nein, so schlimm wird es schon nicht werden“, sagte Lilly selbstsicher.
„So, Leute, aber nach drei Tassen Tee muss ich mal für kleine Mädchen.“ Kurz vor der Toilettentür konnte ich meinen Augen nicht trauen.
Im  Augenwinkel sah ich einen Jungen aus der Tür kommen, nein, es war nicht nur irgendein Junge, sondern der Junge, von dem ich jede Nacht träume.
Es war Nico, er gucke mir direkt in die Augen und ich glaube, ich habe ihm sogar ein kleines Lächeln ins Gesicht gezaubert.
Plötzlich musste ich doch nicht mehr so dringend auf die Toilette und ging zu meinen Mädels ins Zimmer.
„Leute, ihr werdet es mir nicht glauben, aber er ist hier!“ Ich konnte mich nicht mehr zurückhalten und schrie vor lauter Glück.
Lilly und Kimi sagten im selben Moment: „Wer ist denn da ?“ Aber ich konnte es ihnen nicht einmal mehr mitteilen, weil unsere Lehrerin in unser Zimmer gestürmt kam und sagte: „Wenn es nochmal so laut bei euch werden sollte, schlafe ich bei euch im Zimmer.“
Wir alle riefen im Chor: „Nein! Bitte nicht!“
„ Ach so, übrigens – wir werden jetzt mit der Schule Blütenwald unsere Ausflüge veranstalten“, fügte sie hinzu und ging hinaus.
Blitzschnell wurde mir klar, dass Nico auch auf die Schule Blütenwald geht und dass die Tage auf unserer Klassenfahrt dann doch noch aufregender werden als gedacht.
Als ich meinen Freundinnen endlich erklären wollte, was sich nun genau vor der Toilette abgespielt hat, platzte Sofia mit knallroten Wangen in unser Zimmer und ging wie ein wild gewordenes Tier auf uns los und fragte in strengem Ton: „Wo ist mein Schokoaufstrich, wer von euch hat ihn mir geklaut?“
In derselben Sekunde schauten wir uns an und konnten uns das Lachen einfach nicht verkneifen und Sofia stapfte beleidigt aus unserem Zimmer.
Nach ca. zwei Minuten Lachen sah ich, wie Lilly das Schokoaufstrichglas aus ihrem Rucksack hervorholte.

Ich nahm es ihr ab und versteckte es in einem der Turnschuhe, die ich in einem Beutel in meinem Koffer aufbewahrte.

„Jetzt müssen wir noch Nutella kaufen. Gleich um die Ecke habe ich einen Edeka gesehen.“ Lilly hängte sich ihren Rucksack über die Schulter.

„Genau. Drei Haselnüsse für Sofizicke“, sagte Kimi und wir prusteten wieder los.

Von Frau Tischler holten wir uns die Erlaubnis, zum Edeka zu gehen. „Ich habe Zahnpasta vergessen“, log Lilly, als unsere Lehrerin wissen wollte, was wir denn gleich nach unserer Ankunft so dringend brauchen.

Auf dem Rückweg vom Supermarkt trug Lilly außer einem Glas Nutella eine große Packung Erdnussflips und zwei Tüten Gummibärchen im Rucksack.

Inzwischen hatten sich auf dem Grillplatz der Jugendherberge viele Jugendliche vor einem Baum versammelt, an den ein blondes Mädchen gelehnt saß. Daneben kniete jemand und schüttete Wasser aus einer Flasche auf deren Unterarm. Als ich den Jungen erkannte, versuchte mein Herz eine neue Schrittfolge: Es war Nico. Er betupfte der Blonden Stirn und Schläfen mit Wasser und redete beruhigend auf sie ein. Für einen Moment beneidete ich sie. Aber dann bekam ich mit, dass ihre Augen zugeschwollen waren und sie kaum atmen konnte. Auf ihrem Unterarm leuchtete eine dicke rote Beule. Eine Frau drängelte sich an uns vorbei. „Florian sagte, … du hast schon den … Notruf gewählt“, japste sie. Nico nickte. „Du bist ein Engel“, lobte ihn die Frau und beugte sich über das Mädchen. Wenig später hörten wir das Martinshorn.

„Alle beiseite!“ Zwei Sanitäter mit einer Trage bahnten sich ihren Weg durch die Schülertraube. Zufällig kam Nico zu uns. Plötzlich stand Sofia neben mir. „Was war denn mit der los?“, fragte sie und ich wünschte sie auf den Mond oder noch weiter weg. Kimi und Lilly verdrehten die Augen.

„Sie wurde von einer Biene gestochen und hat einen allergischen Schock erlitten. Das kann tödlich enden“, antwortete Nico.

„Und woher wusstest du, wie man helfen kann?“ Sofia rückte immer dichter an ihn heran, was bei mir auch so etwas wie eine allergische Reaktion hervorrief. Zumindest warf das Blut in meinen Adern Blasen. Während Nico antwortete, musterte er Sofia aufmerksam. „Ich bin schon seit vier Jahren bei der Johanniter Jugend, da lernt man so was.“ Lächelte er sie etwa an?

„Ich habe eine Allergie gegen Haselnüsse. Wenn mir hier etwas passiert, wirst du mich dann auch retten?“ Jetzt klimperte Sofia sogar mit den Wimpern, mir wurde schlecht. Zum Glück wurde sie von Frau Tischler gerufen. In diesem Augenblick hätte ich unsere Lehrerin umarmen können. „Ich heiße übrigens Sofia.“ Ehe Sofia ging, warf sie mit einem eleganten Kopfschlenker ihre langen, schwarzen Haare zurück.

„Ist sie in eurer Klasse?“ Nico sah mich an.

„Ja, leider.“ „Die totale Oberzicke.“, kam es von Kimi und Lilly gleichzeitig.

Zuerst wollte ich gründlich über Sofia herziehen, aber dann bemerkte Nico: „Sie ist ganz schön aufdringlich.“ Auf einmal war mein Ärger weg.

Als die Sanitäter das blonde Mädchen auf der Trage zum Rettungswagen brachten, schickte die Frau, die offensichtlich Nicos Lehrerin war, ihre Schüler in den Speiseraum. „Wir sehen uns“, sagte Nico zum Abschied.

„Und was machen wir jetzt mit dem Nutella?“, sprach Kimi die Frage aus, die auch mich beschäftigte.

„Leute, ganz ehrlich, ich würde diese ganze Aktion lieber lassen. Ich meine, wir haben ja gesehen, was bei einem allergischen Schock alles passieren kann“, riet ich meinen Freundinnen.

Lilly und Kimi stimmten mir genervt zu.

Endlich ist es abends und wir haben nur noch drei Tage Klassenfahrt, also wird heute Abend ein Lagerfeuer gemacht.

Lilly und Kimi setzten sich komischerweise weit weg von mir, also setzte ich mich ganz in die Nähe von meinem Schwarm Nico. Er begrüßte mich nett und ich setzte mich genau neben ihn. Wir erzählten eine Weile über Gott und die Welt, als sich urplötzlich Sofia zu uns setzte.

GENAU neben Nico. Nico und ich schauten uns beide verwundert an und auch Sofia schauten wir an, aber genervt. In derselben Minute stand Nico auf, nahm meine Hände und bat mich, mit ihm hinter das Haus auf eine wunderschöne Bank zu gehen.

Ich stand ebenfalls auf und ließ mich von ihm führen. Sofias Blick war einfach nur unbezahlbar.

Als wir dann endlich an der Bank ankamen, setzten wir uns beide dicht nebeneinander auf die Bank und Nico sagte: „Du, Laura, ich muss dir etwas beichten und zwar, dass …“

Plötzlich hörten wir ein Mädchen schreien, sprangen auf und rannten auf sie zu. War es wirklich Sofia und stand neben ihr ein Nutellaglas? Ich konnte meinen Augen kaum trauen, bis ich realisierte, dass Lilly und Kimi doch Haselnüsse in ihren Schokoaufstrich getan haben mussten.

Wie zu befürchten, bekam Sofia einen allergischen Schock und Gott sei Dank war der Notarzt schon da und sagte beruhigend: „Keine Angst, sie hat nur ein bisschen Ausschlag an den Armen. Sie braucht jetzt einfach nur noch ein bisschen Ruhe und Erholung.“

Mir fiel ein Stein vom Herzen und ich fiel Nico erleichtert in die Arme und fragte ihn, was er mir vorhin sagen wollte, und er antwortete darauf: „Ich wollte dir vorhin auf der Bank sagen, dass du das schönste Mädchen bist, was ich kenne, und ich mich in dich verliebt habe.“

Bevor ich es überhaupt realisierte, küsste er mich, und ich hatte noch mehr als nur Schmetterlinge im Bauch und freute mich einfach nur darauf, die restlichen Tage mit Nico zusammen zu verbringen.

 

Morgen startet der ….

Vorlesewettbewerb
der 5. und 6. Klassen 

In den Klassen wurden bereits die besten Leser ermittelt.

 

Wir wünschen euch viel Spaß und Erfolg! 

 

Geburtstagsparty gelungen!

Am Schluss dieses Tages waren die Lobesworte an die Akteure und Mitwirkenden für diese Aufführung überall einhellig zu hören.

Kurzweilig, unterhaltsam, starke Leistung, tolle Aufführung … “ um nur einige Einschätzungen aus dem Publikum hier in Kurzform wiederzugeben.

Am Ende des Tages hatten die Akteure immerhin auch drei Vorstellungen vor unterschiedlichem Publikum absolviert…!

Hochachtung!

Zum Jubiläums-Geburtstag Heinrich Heines, der sich heute zum 220. Mal jährt, studierte der Fachbereich Deutsch mit Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 6 bis 10 seit einigen Wochen ihr

„Heine-Programm“ ein.

Die Einbindung des Chores war genauso ein Volltreffer, wie die Darstellung unseres Dichterfürsten in seinen drei Lebensabschnitten, die hervorragend von Paul Bäßler, Leon Pagels und Herrn Niemann gespielt wurden.


Hier weitere Bilder …